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Buch-Review: Crashkurs von Dirk Müller (Mr. Dax)

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Der Untertitel “Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? – Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen” hat mich vermutlich zum Kauf des Buches bewogen, welches im Mai dieses Jahres (überarbeitet) im Knaur Verlag erschienen ist. Im Hörbuch wurde die 1. Auflage aus dem Jahre 2009 verarbeitet. Wer sich an Talkshows aus dem Mai erinnert, der kennt auch das Gesicht von Dirk Müller mit Sicherheit noch. Genau an dieser Stelle sind wir auch am Problem, welches sich wie ein roter Faden beim Lesen in meinem Kopf durchgezogen hatte. Plötzlich tauchen Experten auf, welche vor der Krise bereits vor einer Krise gewarnt haben und kritisieren andere Experten. Ich selbst kenne mich nicht mit den Interna der Börse aus, der Typ kommt sympatisch rüber – also kann man das Buch auch mal lesen.

Das Experten Problem fordert, dass der Autor selbst erst seinen guten Ruf nachweisen muss. Sprich das Vertrauen der Leser aufzubauen ist. Dies führt mitunter zu etwas Selbstbeweihräucherung, von der ich nicht sicher sagen kann ob sie nicht sein muss. Experten werden eben nur gefragt, wenn ein Problem in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt. Schön, wenn man da ein Buch hat, welches verkauft werden will.  Mr. DAX will ich aber eigentlich noch weiter in Schutz nehmen, da sich die Kernaussage von ihm zumindest über die Jahre kaum geändert hat (s.h. YouTube Videos).

Der Crashkurs gibt dem Leser eine schnelle Einführung in die Ökonomie der Finanzmärkte. Es ist unterhaltsam geschrieben, wie es sich für ein gutes Erstlingswerk eines Autors gehört. Leichtes Finanzinfotainment mit der Zielgruppe Otto-Normal-Interessierter Laie. Angereichert mit vielen Beispielen, die man kennt – die allerdings leider nicht bis ins letzte Detail hinterfragt werden sollten. Es geht um das Ganze nicht um das Detail. Es geht um die Kernaussage nicht um die Analyse des Textes.

Die Abhandlung über den Ifo-Geschäftsklimaindex eignet sich  als gutes Beispiel um meine Kritik am Buch zu erklären. Eingeführt im Kapitel über Nebelkerzen wird im Crashkurs gezeigt, wie dieser und andere Statistiken genutzt werden können als Werkzeug der Manipulation. Anleger  könnten in die Irre geführt werden – gebaut auf die hohe Vertrauen/Reputation die der Ifo-Index besitzt.  Im Buch und bei Wikipedia erfährt man, wie der  Index aufgebaut ist. Monatlich werden ein festes Set von Fragen an rund 7000 Unternehmensführer gesendet. Dir Rücksendung ausgewertet und als Veränderung zum Vormonat verarbeitet. Es entsteht ein Stimmungsbild ,welches aus den Nachrichten kennen.  Im Buch wird Kritisiert, dass es fraglich ist, ob überhaupt die Unternehmensführer Antworten, nachprüfen lässt es sich mit Sicherheit nicht. Auch ist fraglich, wie viele Unternehmen überhaupt antworten – Gedanken an Nichtwähler als stärkste Wähler treten auf.  Als schwerwiegend wird dem Leser aber die Auswahl der Unternehmen die Befragt werden verkauft. Es leuchtet ein, dass durch ein geeignete Auswahl (Bsp: Landschaftsgärtner im November fragen) das Ergebnis beeinflusst werden kann. Als alter Statistik Hase ist mir natürlich bekannt, wie einfach es ist eine Software wie RapidMiner, SPSS, SAS zu verwenden um mir ein SampleSet aus Unternehmen zu ermitteln, welches bereits vor der Befragung das Ergebnis mit 99,x % Wahrscheinlichkeit festlegt. Die kleine Kunst der Studienfälschung eben…

Aber Stopp, da war vorher das Kapitel zu Weltverschwörungen. Bewusste Fehlinformation. Konspirative Kreise, die mit einer Hidden Agenda arbeiten. Das Fazit dieses Kapitels: Ja es mag sie geben. Aber so wirklich schlimm sind sie nicht. Übertragen auf die Nebelkerze Ifo-Index bedeutet dies leider auch, dass solange niemand Aktiv die Gruppe der Befragung mit Vorsatz “optimiert” – ist es eigentlich auch nicht schlimm.

Alles in Allem bin ich aber mit dem Kauf zufrieden, da das Buch mich beschäftigt hat und mich zum Nachforschen angeregt hat. Bei Verlust würde ich es wahrscheinlich nicht ersetzen, das nächste Buch von Mr. Dax allerdings kaufen.

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Geschrieben von Thorsten Zoerner

Juni 25th, 2010 at 10:24 pm

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