Das Heute


 

Es gibt Blogbeiträge, die schreibt man einfach nur so, weil man sich selbst gegenüber etwas klar stellen will. Dies ist ein solcher…

Mario Sixtus meint als Reaktion auf “Was die Welt nicht braucht” :

“Social Media Berater” findet sich auf der Echte-Berufe-Skala knapp links von Erdstrahlenaufspürer

Die Gemengenlage im SocialWeb ist schwierig. Kommunikation, Kollaboration, Diskussion und impulsgesteuertes Handeln sind Wirkungen die schon sehr lange aus dem Enterprise2.0 Umfeld bekannt sind. Das Social Media Marketing macht sich diese zu Nutzen. Schon schreit der PR Mensch  “Moment  – Du kommunizierst! Das ist unsere Domain!” und es entsteht ein handfester Zwist, zwischen dem Geek und Nerd mit seinen Tools die Entweder in Beta oder Version 2.0 verfügbar sind und den Eigentümern des geschriebenen Wortes. Mischt sich das Marketing ein und das Problem nimmt seinen Lauf.

Problem? Nein – ein Projekt, Kampagne, ein Programm. Einigen wir uns auf Absichtserklärung etwas total Cooles zu machen. Wo waren noch einmal die Experten? Sollten wir diese gefunden haben, so suchen wir erst einmal eine Strategie. Kann ja nicht wirklich angehen, dass wir etwas machen ohne uns vorher darüber Gedanken zu machen.  So schreitet die Absicht voran und der Plan wird erarbeitet – Arbeitskreis , virtuelles Team, Think Tank oder sogar ein Gremium. Moment! Wir kennen uns ja noch nicht aus – wo gibt es eine Schulung? Fachbücher? Experten? Es ist ja noch kein Social Media Meister vom Himmel gefallen. Enablement muss her.

Spätestens jetzt hat der Nerd vollständig die Lust und das Engagement verloren. Die Berichte von Tools und neu entdeckten Features und Functions weichen der Kritik vom letzten Kinobesuch.

STOP!

Halte durch! Lieber Nerd…

Das Gefühl von “Mir klaut hier jemand das Spielzeug” in Deinem Kopf ist nur eine Illusion. Viel mehr entdeckt man Dein Spielzeug gerade. Ein Erfahrungsprozess entsteht. Mechanismen, die Du Dir angeeignet hast finden langsam ihren Weg in die Organisation, die Deinen DSL Anschluss zu Hause bezahlt. Nicht jede Entscheidung, nicht jede Verwendung entspricht sofort dem was Du Dir vorstellst, aber ganz langsam bewegt man sich dorthin wo Du bereits bist.

Halte durch!

Begonnen hatte alles mit dem Vorhandensein von Tools oder Software, die das ermöglichen, was wir heute als SocialWeb bezeichnen. Die Technik war es die zuerst da war, dann kam die Suche nach dem Nutzen. Twitter im Unternehmen – wozu nur? Blogs im Unternehmen – wer braucht sowas? Wikis ein Lexikon?

Doch die Organisationskultur ist im Wandel, wie sie es schon immer ist. Wie bei der Einführung des Telefons muss auch im SocialWeb erst der richtige Umgang gelernt werden und der kürzeste Weg nach Rom gefunden werden. Das Telefon ist dabei ein schönes Stichwort. Waren es ursprünglich Amateurfunker, die für eine weltweite Kommunikation gesorgt haben – kamen schnell Transatlantikkabel zum Einsatz und fast jeder konnte über den Teich “sprechen”. Erdstrahlenaufspürer waren dafür nicht mehr notwendig. Eigentlich ein Privilegsverlust für die Nerds dieser Ära?

Nein, kein Privilegsverlust! Denn es geht hier um Pioniere. Dem Amateurfunker war es eigentlich egal, was kommuniziert wurde. Meist war es der Austausch über den Standort, die Qualität des Empfanges und das Wetter. Die damals bestehenden Regeln haben sogar ausdrücklich ein Gespräch verboten, welches einem Telefonat ähneln könnte.  Regeln, die nicht ursächlich mit dem Amateurfunk selbst zu tun hatten, sondern nur sicherstellen sollten, dass hier ein neues Werkzeug nicht plötzlich zum Risiko wird. Der eine oder andere möge sich noch an Berichte von Amateurfunkern erinnern, die aus Krisenregionen berichteten…

Das Karussell dreht sich weiter und längst hat auch das Mangement die Chancen verstanden,  die sich hinter den Tools und Techniken verbergen. Risiko? Ja, natürlich gibt es da eins. Doch kennen unsere Pioniere dieses Risiko, da sie damit aufgewachsen sind. Man mag nun denken: “Ich habe die ganze Zeit keine Regeln gebraucht – weshalb jetzt?” . Die Antwort ist der Eigenschutz des Mitarbeiters bei bleibender Sicherheit für das Unternehmen. War es der Sandkasten indem man bislang mit ein paar Kontakten Lesezeichen ausgetauscht hat, so könnte es nun das Unternehmen betreffen – und je nach Kultur des Unternehmens mag dies sogar beabsichtigt sein. Die Philosophie der Unternehmensführung wird  entscheidend sein, ob der  Pionier sich in den Regeln wiederfindet oder Wege zu deren Umgehung sucht.

Das Spannende heute ist, dass die Entwicklung deutlich schneller voran zu schreiten scheint, als wir es und vorstellen können. Unternehmen, die noch nicht im Internet sind. Über den Bäcker an der Ecke, der seine Brötchen dank Web2.0 verkauft. Der Erdstrahlenaufspürer von Mario Sixtus ist der Nerd von gestern. Vom TrendScout bis zum LateAdopter sind es manchmal nur Tage (Anmerkung: Martin ist definitiv kein LateAdopter, auch wenn er sich im verlinkten Tweet kurz mal so bezeichnet hat).

Die Freude alle Stufen täglich beobachten zu können. Den Fortschritt sehen zu können. Auch noch den Social-Neandertaler zu kennen – und gleichzeitig Beispiele für  Unternehmen die Erfolg haben und auch welche mit Misserfolg. Das ist für mich: Das Heute.

Zum Weiterlesen…

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