Können soziale Netze den Medici Effect auslösen?



 

In der kommenden Wochen werde ich Frans Johansson treffen, der Autor des Buches “The Medici Effect“. In Vorbereitung dachte ich mir, dass es mit Sicherheit nicht schaden kann einen Blick in sein Buch zu werfen. Nun muss ich als Vorwarnung dazu sagen, dass ich normal eher der Mensch bin der entweder technische Fachbücher oder Romane liest. Selten aber Motivationsbücher oder Ratgeber wie dieses Werk. Es ist eine innere Skepsis, die mich in der Regel davon abhält und ohne die Motivation des Treffens auch diesmal mich davon abgehalten hätte.

mediciThe Medici Effect
Beschrieben wird ein Effekt, der zu einer wahren Explosion von Kreativität und Ideen führt. Der Name leitet sich von der Familie “Medici” die im 15. und 16. Jahrhundert Ursache für eine wahre Explosion von Erfindungen wahr. Das Buch nutzt zwar den Namen der Familie, zeigt aber den Effekt auf Basis von neueren Beispielen, die eine bessere Übertragbarkeit auf die Gegenwart erlauben.

Peter’s Café
Bereits in der Einleitung wird ein Café auf den Azoren vorgestellt, welches ein Ort der Begegnung ist. Es wird als Bild verwendet für einen Ort, an dem sehr viele kreative Ideen entstehen. Grund hierfür, ist dass Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund und Vorgeschichte an diesem Ort zusammenkommen. Peter’s Café ist das einzige Café auf der Insel. Kreuzfahrer, Weltumsegler, Einheimischen und Flugzeugcrews haben nur diesen einen Ort an den sie hingehen können und im Gespräch sich austauschen können.  Das Zusammenkommen von Menschen mit verschiedenen Hintergründen sieht Johansson ursprünglich für die Entstehung von Ideen an.

medici1 Der Knotenpunkt
Das Café stellt für die Besucher ein Knotenpunkt da. Zu jedem anderen Zeitpunkt der Reise agieren die Besucher rein in ihrer kleinen Welt. Vergleichbar mit Feldern. Innovation, die daraus entsteht wird nur linear sein und sich mit dem “Feld” befassen, in der sich der Besucher gerade befindet. Treffen viele Felder zusammen, so entsteht ein Knotenpunkt bei dem die unterschiedlichen Disziplinen sich austauschen können. Man könnte nun annehmen, dass das Buch ein reiner Lobgesang auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist. Dies stimmt auch soweit, dass einige der aufgeführten Beispiele enstanden sind, dass Forschung zum Beispiel durch Einbeziehung von verschiedenen Disziplinen wahre Wunder produziert hat. Aber das Buch soll eine Motivation für jeden einzelnen dastellen und nützlich sein.

In den Bildern des Buches beschrieben:
888888;">“Um kreative, erflogreiche Ideen zu haben muss ich mein Feld verlassen und mich in den Knotenpunkt stellen”

Zurück in der Wirklichkeit
An dieser Stelle sei gesagt, dass ich das Buch noch nicht bis zum Ende gelesen habe. Dennoch war mein erster Gedanken, dass es vielleicht nett geschrieben ist, aber das reale Leben und die Strukturen in den wir uns privat und beruflich befinden kein Verlassen des Feldes zulassen. Es ist nicht absehbar, dass ich irgendwann in ein Forschungsprojekt mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen kommen werde, da ich kein Wissenschaftler bin. Das Buch beschreibt, dass wenn es nicht gelingt das eigene Feld zu verlassen man immer nur auf die eigenen Produkte, Bereiche beschränkt ist. Warum? Nennen wir es Selbstreferenzialität. Sämtliche Innovation wird sich auf Basis dessen aufbauen was wir selbst ständig um uns haben.

Stop: Selbstreferenzialität?
Genau bei diesem Wort sind bei mir die Alarmglocken angegangen. Hatte ich das nicht vor kurzem? Das Wort befindet sich nicht in meinem normalen Sprachgebrauch…. Es ging um Blogs. Es ging darum, dass Blogs sich sehr stark mit sich selbst beschäftigen und nicht den Blick über den Tellerrand hinweg wagen. Vielleicht widerspreche ich mir gleich selbst, wenn ich sage Blogs und Micrblogs sind genau der Knotenpunkt in den man sich stellen kann.

Microblogs
Das virtuelle Peters Café ist für mich Twitter. Ein Ort, bei dem jeder theoretisch jedem zuhören kann. Schreibe ich einen Tweet, so sind es die unterschiedlichsten Personen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, die in eine Diskussion einsteigen können. So weiß ich, dass meine Tweets von einem Schüler gelesen  werden, der am liebsten neue Sachen auf seinen elektronischen Gadgets installiert wird. Einem ehemaligen Lehrer, der heute die Kunst etwas erledigt zu bekommen in Rat und Tat umsetzt. Da ist ein Softwareentwickler dabei, der in der Freizeit Bücher schreibt, ein Unternehmensgründer mit mehr GmbHs wie ich Euros habe. Kurzum: Es sind aus vielen Feldern Personen vorhanden, die ich mit 140 Zeichen in Peters Café einladen kann.

Blogs
Ein Tweet ist beschränkt. Mehr als die Einladung den Knotenpunkt zu besuchen wird auch mit mehreren Antworten nicht möglich sein. Ein einzelner Blogbeitrag kann zumindest der Anfang für einen solchen Knotenpunkt darstellen. Per Tweet wird eingeladen. Die Party findet aber im Blog (zunächst) statt. Der Blogbeitrag erlaubt mir mein Herkunftsfeld – sprich meinen Hintergrund und meine Beziehung zu einem Thema zu beschreiben. In den Kommentaren haben meine Gäste die Möglichkeit sich selbst und ihre Beziehung zum Thema zu beschreiben. Als Beispiel der Beitrag “Sauberes Trinkwasser aus PET Flaschen“. Mein Hintergrund bei diesem Beitrag war so einfach wie simple: Ich hatte etwas im Fernsehen gesehen. Dirk, den ich bisher nur als Kollege kannte, outete sich als Experte für Entwicklungshilfe. Zwar habe ist bisher nur er zu meiner Einladung für diesen Knotenpunkt gefüllt. Vielleicht findet sich aber über den LongTail noch Experten für Logistik, Finanzierung etc…

Wikis
Sind die Gäste im Knotenpunkt angekommen, muss eine Möglichkeit der Kommunikation geben. Struktur ist hier schädlich, wie man auch im Buch erkennen kann. Nicht das Ziel steht im Vordergrund, sondern die Verbindung der unterschiedlichen Felder. Dazu muss  eine Platrform geschaffen werden, bei der die Besucher sich austauschen können und zeigen können, wie Dinge zusammen laufen. Ideal auch aus Wissensmanagement Sicht sind hier Wikis geeignet.

Fazit: Soziale Netzwerke generien den Medici Effect
Klar würde ich empfehlen das Buch zu lesen…und natürlich würde ich mich auch freuen, wenn ich zu ein paar Knotenpunkte eingeladen werde, oder aber auch ein paar Besucher meinen Einladungen folgen. Eine Schwäche, die ich bislang sehe ist, dass Blogs eher mit der Einstellung “Gelesen”->”Vergessen” oder “Gelesen”->”Kommentiert”->”Vergessen” betrachtet werden. Die Möglichkeit den Kommentarfeed zu abonnieren nutze ich selbst selten – und auch meine Besucher scheinbar nicht.  Backtype hilft mir etwas meine Kommentare zu verfolgen – aber lässt mich auch manchmal im Stich. Vielleicht hat jemand noch Ideen oder Vorschläge?

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  2. The Medici Effect Blog
  3. Mikroblogging und soziale Bewegungen | blog.mensch.coop
  4. Re:publica – Wie soziale Netzwerke Unternehmen verändern – Berlin – Berliner Morgenpost
  • Um aus dem Kreis des Eigenen auszubrechen hilft mir persönlich die Angewohnheit stets etwas zum Schreiben bei mir zu tragen. Um das festzuhalten, was man normalerweise nicht im BIOS mit sich trägt. Das hilft nicht immer. Wenn es eng wird hilft aber auf jeden Fall ein Blick auf die Seiten 76 ff. der deutschen Erstausgabe bei Hanser von Umberto Eco - Das Foucaultsche Pendel.
  • Mir selbst ist es auch schon oft aufgefallen. Wenn ich an einem Tag viel erlebt habe, fallen mir später oft ganz tolle Ideen ein. Meistens basieren diese auf irgendwas erlebtem. Eindrücke die man täglich sammelt werde zu Ideen. Mach man ständig das gleiche ohneAbwechslung oder bleibt dort stehen wo man ist, gehen einem irgendwann die Ideen aus. Ich denke, dass Zitat "Der Mensch lebt in den Ruinen seiner Gewohnheiten" hier ganz gut passt. Des weiteren finde ich es sehr schön wie die Beziehung zwischen Buch und den sozialen Netzwerkenbeschrieben wird. Dinge wie diese nehmen wir in unserem alltäglichen Leben kaum wirklich war. Vielleicht sollte man mal genau darauf achten.
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