Bereits am vergangenen Freitag, als die Sperrung von
Internetseiten zum Schutz gegen die Verbreitung von Kinderpornografie vorgestellt wurde, ging eine Protestlawine durch die Bloggerszene. Und auch heute zeigen Demonstrationen per Mausklick wie die unter Überschrift “Von Laien regiert” bei Spreeblick, dass es eine wohl große Gruppe von Personen gibt, die eine solche Sperrung von Seiten als Zensur empfinden und die Wirkung in frage stellen. Die Argumente lassen sich am besten bei c’t (Heise-Verlag) nachlesen.
Warum wird trotzdem an der Sperrung festgehalten?
Argument 1: Wahlkampf
Viele Blogs spekulieren, dass es sich um ein Wahlkampfthema handelt. Jeder will den Schutz der Kinder – und somit ist, wenn man politische Aktion zeigt hier ein guter Fang von Wählerstimmen. Dagegen spricht, dass auch diejenigen Wählerstimmen sind, die bloggen und die Berichte in Fachzeitschriften lesen.
Argument 2: Wirtschaftliche Gründe
Wenn etwas so aussieht, als ob es total an der Realität vorbei geht, dann stecken meist Lobbyarbeit und wirtschaftliche Interessen dahinter. Die Einrichtung einer Sperre kostet Geld, man benötigt Personen, die diese pflegen und verwalten. Kleinere Anbieter haben vielleicht die notwendigen Mittel nicht um hier extra Personal einzustellen. Dagegen spricht, dass Unternehmen und staatliche Einrichtungen die selbst ihren Mitarbeitern Internetzugang bieten von der Sperrung ausgenommen werden sollen.
Argument 3: Sie wissen nicht was sie tun
Es bedarf schon etwas Hintergrundwissen über Netztechnik und Aufbau des Internets, um zu verstehen, weshalb eine Sperre wie sie vorgeschlagen wird nicht zum gewünschten Erfolg führt. Ist dieses Wissen nicht vorhanden könnte man nach dem Prinzip: In anderen Ländern wird es ja auch so gemacht – blind den gleichen Fehler machen. Dagegen spricht, dass man sich gerade bei der Bundesregierung für jedes Thema externe Berater und Experten ins Haus holt, also bestimmt auch bei diesem Thema.
Vielleicht ist es aber auch Argument 4 – das Fehlen von Gegenvorschlägen. Es soll zunächst etwas gemacht werden, Erfahrungen gesammelt und dann im Anschluss korrigiert und verbessert werden.
Was tun?
Da ein begründeter Zweifel an einer Sperrungsverordnung besteht, hilft Aufklärung wohl am besten. Nicht im Blog, denn dort wird nur eine begrenzte Zielgruppe erreicht – sondern bei den Personen, mit denen man ansonsten kommuniziert. Dabei darauf achten, dass die Kritikpunkte auch für Menschen verständlich sind, die sich nicht mit Namensauflösungen und dem Fallenlassen von Paketen beschäftigen. Soll es technisch werden, dann Gegenvorschläge erarbeiten, wie zum Beispiel schneller der Verbreiter und Konsument von illegalen Inhalten ermittelt werden kann … wir haben alle Erfahrungen mit Benutzertracking auf unseren Seiten.
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