Leserbrief zu: Wann bin ich Teil einer Web-Community?



 

Communities im Web und soziale Vernetzung sind schon ein eigenartiges Gebilde. Vielleicht ist so die Diskussion erklären, die sich aus “Communities sind tot- Es leben Communities” – deren Kommentierung und Folgepostings ergeben hat.

Eine Fortsetzung stellt der Beitrag: Aktiv versus passiv – Wann bin ich Teil einer Web-Community? von Hannelore Vonier da, der mit der Frage endet:

Wenn ich hier eine Registriermöglichkeit anbieten würde, um
Kommentieren oder sogar bestimmte Beiträge lesen zu können, würdest du
da mitmachen als Teil dieser Blog-Community?

Einer Registrierung für das Lesen von Beiträgen widerspricht der Idee – die ich sehr gut finde – das die News mich findet. Assoziation mit einer Gruppe, auch wenn sie nur vorübergehend ist, bedarf dass durch mein “normales” Verhalten irgendwann meine Aufmerksamkeit auf diese Gruppe gelenkt wird. Die im Vertrieb bekannte AIDA-Regel trifft hier zu. Zunächst muss es zu einer Attention kommen. Dies geschieht zumindest bei den (wenigen) Gruppen, die ich als “aktiv” ansehe dadurch, dass ich zum Beispiel bei meiner Suche nach relevanten Blogposts häufiger auftauchen.  Mit ist es schon sehr häufig so gegangen, dass ich bei Twitter, Facebook und auch Blogs häufiger auf die gleichen Personen/Gruppen gestoßen bin. Durch ein einheitliches Design (Interest)- wo wieder das Thema “Personal Brand” zum Tragen kommt, habe ich erkannt dass ich dort schon einmal war. Desire und Action kamen dann durch abonnieren und aktiven Konsums zustande. Der Zwang einer Registrierung würde bedeuten, dass von AIDA die Teile A und I “nur” auf die einzelne Einladungsmail beschränken würde, bei der ein Kontakt von mir – mich auf einen Beitrag/Gruppe/Blog hinweist. Wahrscheinlich würde ich dieser Einladung sogar folgen – aus Loyalität zum Einladenden – aber die Gefahr, dass ich passiv bin ist hoch.

Zum Thema Kommentieren nur mit Registrierung, würde ich kurz auf das Zwischendenzeilen lesen bei einem von mir betreuten Blog verweisen.

Von meinem eigenen (privaten) Blog, aber besonders durch die Beteiligung an einem Metablog bei meinem Arbeitgeber, kenne ich das Gefühl, dass man einen Blog Beitrag schreibt und die Statistik sagt einem, dass man XYZ Aufrufe hatte. Warum schreibt keiner einen Kommentar? Warum bekomme ich kein Feedback? Bei vielen Beiträgen will man nur eine Idee streuen, und seine eigene Meinung dadurch stärken und validieren indem man das Feedback liest. Eine kleine Community – für kurze Zeit – eine Sammlung von Menschen, die sich mit dem geschrieben auseinandergesetzt haben. Diese Community braucht keine Regeln – fördert aber den Austausch von Gedanken. Im Prinzip wünscht man sich von einer Community die sich um einen Beitrag entwickelt eine gewisse Einnordung.

Ich meine, dass das vielleicht nicht an der Gruppe oder den Leuten liegt, sondern am Ansatz, andere animieren zu wollen. Wenn du etwas Tolles zu bieten hast, machen die Leute mit.

Dem stimme ich zu, wobei ich beim Schreiben im Hinterkopf etwa das Bild von Kafkas “Auf der Galerie” hatte – mit der Vorstellung dass man gar keine Zuschauer in den Rängen sitzen hat, die dialektisch die Aufführung betrachten. Die Zuschauer sitzen vielleicht bereits im Kino nebenan.

Der Erfolg von Twitter ist auch darauf zurückführen, dass es gerade nicht nach Gruppen (Schubladen,Vorführungen) organisiert ist. Wie sonst lässt sich erklären, dass wir hier gerade eine kleine Micro Community aufgebaut haben, bei der sich eine Urvölker studierende Kulturkritikerin mit einem Computerlinguisten der sein Brot mit Produktmarketing verdient, unterhält. (Anmerkung: soweit ich es nachvollziehen kann hattest Du meinen Beitrag über den Tweet gefunden :) )

Bei meinem Blog und bei meinen Tweets gehe ich davon aus, dass es Follower gibt die manchmal lesen und manchmal nicht. Und auch die Entscheidung treffen, dass ich nicht interessant für sie bin. Selbst halte ich das mit meinen RSS Feeds und Followings genauso. Diese Dynamik entspricht der von Dir beschriebenen Leichtigkeit der Materie Internet, die mir erlaubt jetzt und hier ein Teil einer Gruppe zu sein.

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