Lange habe ich mir überlegt, ob und was ich eigentlich in meinen eigenen Beitrag zum BlogAdventskalender zu den Trends “Alles mit Web” schreibe. Jetzt soll es doch sein…
Transparenz 2010 - Das Internet hat uns in den letzten Jahren vor allem eins gebracht, die Vernetzung von Personen durch Inhalte. Noch nie war es so schnell möglich eine große Anzahl von Personen über etwas zu informieren wie heute. Desto spektakulärer die Nachricht, desto schneller scheint die Verbreitung. Man findet etwas interessant und sagt es weiter. Die Disziplin “Social” scheint geboren.
Ein US-Präsident bekommt den Friedensnobelpreis – wir sind live dabei. Ein Unternehmen mahnt einen Blogger ab – wir sind live dabei. Kommentierung, Meinung und Information vermischen sich zu einer neuen Gattung des “Social Contents”. Durch dessen Verbreitungsgeschwindigkeit erhalten wir Einblicke in Abläufe, die uns vorher verschlossen waren.
Beispiel Augsburger Stadtrat:
Die Tweets aus dem heutigen Stadtrat rissen ab. Zum einen, weil wir sowieso am Ende der öffentlichen Sitzung waren und zum anderen weil die Mehrheit im Augsburger Stadtrat um 21 Uhr mehrheitlich einen Beschluss gefasst hat, dass das twittern aus der Stadtratssitzung unterbleiben sollte.
via Twittern im Augsburger Stadtrat verboten « Christian Moravcik. (via D76)
Die Einstellung die zu einem solchen Beschluss führt könnte sein, dass eine Gefahr besteht durch Veröffentlichung einer noch nicht bis zu Ende gedachten Idee. Es könnte ja ein Risko entstehen, dass jemand dies bereits verbreitet und man später dementieren muss. Doch besteht diese Gefahr wirklich? Wahrscheinlich nicht, denn auch ohne Twitter und Co. werden Dinge schnell gesagt, bei denen man nach etwas Nachdenken seine Meinung ändert. Als Beispiel sei aus der Bundespolitik das Wörtchen “Kriegs ähnlicher Zustand” genannt.
Ist das SocialWeb wirklich so schlimm? Oder gibt es nicht eine hohe Toleranz wenn offen kommuniziert wird, dass auf Basis der Fakten ABC die Entscheidung XYZ gefallen ist. Kommen später neue Fakten hinzu, so kann die Entscheidung angepasst werden.
Die digitale Kultur habe den Grundstein für eine neue, dialogorientierte Gesellschaft gelegt. Und diese Gesellschaft fördere durch Kommunikation Dialog, Diskussion und Konsens.
via Das Internet soll für den Friedensnobelpreis nominiert werden.
Dialog scheint für mich die Errungenschaft des SocialWebs zu sein. Doch als Dialog kann nur etwas bezeichnet werden, wenn der Ausgang offen ist. Ansonsten ist es ein Monolog. Streng genommen sind auch die klassischen Medien ein Dialog, denn auch dort existieren Meldung, Kommentar, und Reaktion als ewiger Kreislauf der Kommunikation. Im SocialWeb ist die Flussgeschwindigkeit dieses Kreislaufs jedoch deutlich schneller. War es früher Pressekonferenz, Bericht schreiben, Drucken, Verteilen, Lesen, Leserbrief schreiben, Drucken – so ist dies verkürzt auf zwei Updatezyklen bei Facebook oder Twitter. Echtzeitkommunikation scheint das Schlagwort hierfür zu sein.
(Unternehmens)kommunikation…. Sie muss noch schneller werden und direkt auf die Kundenkommunikation im Real-Time-Web reagieren (lernen). Ansonsten nimmt sie nur eine Zuschauerposition ein und ist der digitalen Mundpropaganda ausgeliefert.
Das Internet, und der Computer überhaupt, ist eine Errungenschaft der Informationstechnologie. Der Hunger nach Information war es, der überhaupt zu dem heutigen Stand der Technik geführt hat. Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Fehlen von Informationen eher zum Aufkommen von Verschwörungstheorien führt. Wird jedoch der Interessent per Dialog eingebunden, so scheint es mir deutlich mehr Toleranz für Ergebnisse zu geben. Fehlt der Zugang zur Information und auch die Kommunikation, so werden Sachverhalte als in-transparent wahrgenommen.
Zurück zur Transparenz 2010 – Die Erkenntnis, das jeder ergoogeln kann, dass die gleiche Person letztes Jahr eine andere Meinung oder Einstellung zu einem Thema hatte, wird dazu führen, dass Berichte darüber keine Meldung mehr wert sind. Daraus wird folgen, dass Informationen nun nicht mehr nur nach ihrer Quelle bewertet werden, sondern neue Bewertungsrichtlinien entstehen:
- Faktenlage – Auf Basis welcher Fakten ist die Meinung/Meldung/Information entstanden
- Vergänglichkeit – Wie lange bleibt eine Einstellung/Meinung gültig, bevor sie nicht mehr zitiert und verwendet werden kann.
- Kontext – In welchem Zusammenhang wurde eine Information veröffentlicht
Sobald sich ein Konzens für diese Bewertungsrichtlinien entwickelt hat, wird Transparenz nicht mehr als Gefahr erkannt sondern als Chance um Dialoge zu dem zu nutzen wofür sie gedacht sind: Fortschritt, Weiterentwicklung und Austausch.
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