Es war die einfache Frage: “Warum bekomme ich bei Posterous mehr Kommentare als in meinem Blog?”. Eine Frage, die eigentlich das Ergebnis einer Beobachtung ist, die ich über die letzten Wochen gemacht habe. Posterous ist dabei nur ein Dienst unter vielen , die eine ähnliche Funktionalität bereitstellen. Im SocialWeb sind Kommentare der Lohn des Schreibers. Es ist die Reflexion dessen, was man veröffentlicht hat und bietet Chancen für den Schreiber und den Leser das Thema weiter zu entwickeln. Die Nachricht die geschrieben wurde ist der Ausgang für die Diskussion die sich daraus entwickelt.
“Tendenziell verlagert sich Kommunikation, also auch Kommentare mehr und mehr in die Streams (Twitter und Facebook), wovon Blogs negativ betroffen sind.” (^mg)
Der Trend ist mit Sicherheit richtig erkannt. Streams sind die Foren der Neuzeit. Gelöst von festen Strukturen, wie sie in den Discussionboards früher üblich waren, bieten Streams/Ströme eine Möglichkeit sich mit vielen Themen auf einmal zu beschäftigen, an einem Ort – in seinem eigenen Stream. Die Webseite, oder das Tool zum Beteiligen bleibt das Gleiche und ich als Anwender baue mir keine Medienbrüche ein, wo ich sie nicht brauche. Das Forum des Web 1.0 hat genau diese Brüche. Für den Bedarf an Informationsaustausch muss ich je nach Thema wechseln vom einen Brett zum anderen. Vergleichbar mit dem Telefon, bei dem ich für unterschiedliche Gesprächspartner unterschiedliche Geräte verwenden müsste. Die Streams bieten das eine Telefon, mit dem ich jeden Anschluss erreichen kann.
“Kanabilisierung meines Blogs” (^kf)
Der Standard Blog – gebaut mit WordPress oder einer anderen Bloggingsoftware – waren lange Zeit das einzige Medium, dass dem Leser die Möglichkeit gegeben hat zu diskutieren; seine Meinung zum Geschriebenen abzugeben. Fernsehberichte, Zeitungsartikel, Pressemeldungen – alles Beispiele für Medien, die man in den meisten Fällen nur konsumiert, und nur in Ausnahmefällen einen Kommentar abgibt. Der Aufwand den Rechner einzuschalten um einen Leserbrief zu schreiben ist zu hoch, wenn man bequem auf der Couch die Tagesschau ansieht.Und warum sollte ich auch schreiben? Die Tagesschau ist nicht der Verursacher/Quelle der Nachricht sondern lediglich der Broker – derjenige der Quelle und Konsument zusammenbringt. Objektiv sind die Nachrichten, objektiv ist der Bericht. Blogs haben an die Tradition des Meldens angeknüpft und haben das Diskutieren zur Nachricht hinzugefügt. Existiert ein Medium, bei dem das Diskutieren noch einfacher ist, so wird man dort diskutieren.
“Für mich ist es die Integration, das Design und dass man nicht noch einen Account zum Kommentieren braucht (wie viele andere Blogs)” (^ma)
Die Einfachheit des Konsumieren, sind in den heutigen Streams wohl der wichtigste Grund, warum sie eher zur Diskussion anregen. Es muss kein neuer Benutzer angelegt werden, um zu einer Vielzahl von Themen seinen “Senf” abgeben zu können. Es reicht der eine Twitter Account um bei allen auf Twitter veröffentlichten Beiträgen kommentieren zu können. Facebook, Xing, Posterous – theoretisch genau das Gleiche. Design und Layout der Anwendung spielen eine wichtige Rolle. Der Leser muss nichts Neues “lernen” – muss sich im Template/Layout nicht zurecht finden – muss nicht das Kommentarfeld finden. Hat er einmal das Verfahren des Kommentierens herausgefunden, so stellt es keinen zusätzlichen Aufwand da, auch auf alle Themen zu antworten.
“Ich denke, vor allem weil es neu ist und dadurch zunächst mehr Aufmerksamkeit hat. Das wächst sich auch wieder aus… “ (^lb)
Posterous, Tumblr – zwei Anwendungen die in der Tat neu sind. Daraus entsteht ein gewisser Hype-Faktor, der dazu führt, dass man auf Links bei Twitter vielleicht potentiell häufiger klickt, die von diesen Diensten getwittert werden. Steht im Tweet “http://post.ly/XYZ” und nicht “http://bit.ly/UKL” so sieht jeder, nach dem ersten Öffnen eines solchen Links, dass es sich um einen Miniblog handelt. Hinter bit.ly kann sich theoretisch alles verbergen, Blogpost, Pressemitteilung, Bild. Bei post.ly weiß der geübte Leser, dass es die Möglichkeit zum Kommentieren geben wird. Eine Art What-You-See-Is-What-You get für das SocialWeb, die vielleicht unterbewusst eine innere Funktion in der Form von: Wenn post.ly URL und Thema dahinter für mich diskutabel => Klicken. Bei bit.ly würde die Funktion vielleicht aussehen: Wenn bit.ly URL und Thema dahinter für mich konsumierbar => Klicken. Mit dem Erfolg, dass viele Beiträge vielleicht nicht mehr geklickt werden, weil der Leser bereits genug zu diesem Thema konsumiert hat – und nun vielleicht in den Dialog eintreten will.
“Der kompaktere Posterous-Stil (im Vergleich zu tendenziell längeren Blog-Posts) wirkt wohl lese- und kommentarfördernd” (^se)
Wer an dieser Stelle beim Lesen angekommen ist, der ist mit Sicherheit Informationshungrig. Dieser Blogpost ist bereits viel zu lang. Wird keine Kommentare bekommen – und wenn dann nur aus Mitleid. Ich gehe davon aus, dass wer so viel Text konsumieren kann noch in der thematischen Lernphase ist. Selbst wenn der eine oder andere Kommentar vielleicht einen Widerspruch oder ein “Ja – genau so” in einem weckt – bis zum Ende des Beitrages ist das Feedback vergessen – oder die Beschreibung zu was man jetzt eigentlich zustimmt fällt zu schwer. Posterous wird als Miniblogging im Gegensatz zum Microblogging bezeichnet. Also etwas mehr als Twitter – aber weniger als ein Wordpress basierender Blog. Die Beiträge fallen kürzer aus und haben meist einen direkten Bezug zu einem speziellen Teilaspekt eines Themas. Micro- und Miniblog können uns nicht belehren. Themen, bei denen wir schon überladen sind mit Informationen wollen diskutiert werden. Der Beitrag oder Tweet als Nukleus zur Diskussion -. wie der Schmutzpartikel der Nukleus für Schnee ist (blöder Vergleich – aber unterhaltsam).
“Das “Grundrauschen” ist hier geringer als bei Twitter” (^tw)
Jeden Kommunikationskanal kann man überstrapazieren. War es bis letztes Jahr zu dieser Zeit noch möglich alle Tweets eines Tages zu lesen, so bemühe ich mich heute gar nicht mehr. Entsprechend singt natürlich auch die Chance einer Diskussion beizuwohnen, die mit einem einzelnen Tweet begonnen hat. Bis zum Mai, als die @Reply Regelung umgestellt wurde war meine Hoffnung dann immer, dass ich durch Personen die Antworten zumindest noch etwas später in die Kommunikation einsteigen kann. Beide Motivationen habe ich streng genommen heute verloren – alles wird schon irgendwann wieder diskutiert. Durch Blogs komme ich dann doch irgendwie zum Punkt der Diskussion. Aus dem Bach ist ein Strom geworden. Da sehr viele Bäche im Strom Twitter zusammenlaufen und die Menge einfach zu viel wird.
“Spannend wird es, wie es hier in ein, drei, sechs Monaten aussieht. Folge ich dann auch 150 Blogs und habe zuwenig Zeit um alle zu kommentieren?” (^rl)
Theoretisch erschließt sich hinter dem Suchfeld von Google das gesamte Internet. Aber das genügt nicht – der Strom ist zu groß geworden der da an Informationen auf uns wartet. Oder doch nicht? Immer noch lassen sich viele gute Tweets finden. Viele gute Gespräche in Foren bei Xing anfangen – und auch die eine oder andere Facebook Fan-Page erfreut sich über einen Besuch von mir. Die Suche nach der Diskussion an der ich mich beteiligen will wird aber immer schwieriger. Es bedarf schlicht dem Studium von Wissensmanagement um Filter so zu definieren, dass man den Punkt der Diskussion findet. Den oben genannten Nucleus. Seit Twitter und Co. immer höhere Beliebtheit haben geht der Punkt verloren, an dem man den Stein des Anstoßes findet.
“Vielleicht ist es wie in der früheren Form anderer Webangebote. Hier in Posterous folge ich erst 15 anderen Blogs und fühle mich daher diesen etwas mehr “verbunden”. Das hat fast einen BulletinBoard Charakter, wo man sich in der Community mehr austauschte.” (^rl)
Verbunden sein im Web bedeutet auch zu wissen, das man mit dieser Gruppe von Personen diskutieren kann. Viele, die heute neu auf Facebook oder Twitter kommen denken, diese Gruppe seien einfach alle Nutzer dieses Systems. Spätestens nach 10 Tweets stellen sie fest, dass dem nicht so ist und werden zu passiven Konsumenten. Vor einiger Zeit hat mich eine bekannte Buchautorin, die sich mit den Digitial Natives beschäftigt gefragt, wie man mehr als 150 Personen bei Twitter folgen kann. Die Antwort ist leicht. Man muss den Strom teilen. TweetDeck und seine Gruppen zum Beispiel sind für mich das wertvollste Asset bei meiner Twitter Nutzung. Nicht nach Themen habe ich meine Liste geordnet – sondern nach Diskussionsfähigkeit. So finden sich bei mir Gruppen mit den Titeln: “Schnacken” , “Diskutieren”, “Sparlings Partner”. Mittlerweile erwische ich mich auch immer häufiger, wie ich bei Xing Personen mit diesen Begriffen “tagge”. Wer es mit seinen Tweets zum “Sparlings Partner” geschafft hat, der kann sich fast sicher sein, dass ich mir Links ansehe und meinen Senf dazu gebe.
“alles irgendwie. plus community-feeling, schnelle antwort per mail und die verbindung mit anderen services.” (^dr)
Die ideale Plattform für Diskussionen gibt es heute wohl nicht. Eine Verlagerung findet statt, zwischen den unterschiedlichen Diensten, die dazu genutzt werden können. Jegliches Instrument welches neu erfunden wird, kann aus den oben genannten Gründen dazu führen, dass man nicht mehr die Chance hat eine Diskussion zu starten und damit das verliert, warum man sich bei diesem Dienst angemeldet hat. Egal welcher Dienst man nutzt, egal in welchen Strom man seinen Input liefert – als Quelle hat man die Aufgabe seinen potentiellen Antworter es so leicht wie möglich zu machen. Neu ist, dass der Schreiber auch als Moderator dient, der den Ort der Diskussion bestimmt. Die eingangs genannte Frage wurde parallel in meinem Blog, per Twitter, MyOnID und Posterous veröffentlicht. Jeder dieser Ströme hat Antworten für mich gebracht, die meine Meinung zum Thema weiter gebracht haben, jedoch hat sich meine Rolle plötzlich gewandelt. Vermittler zwischen den Strömen und gleichzeitig als Person das verbindende Element.
Schlusswort:
An dieser Stelle möchte ich mich mal ganz herzlich bei allen bedanken, die mir geholfen haben diesen Artikel zu schreiben. Nein, die mir geholfen haben in dem sie mit mir darüber diskutiert haben!
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